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Stephan Bartholmei beim Kick-Off von Coding da Vinci Berlin 2014
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Namensnennung
Volker Agueras Gäng
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Lizenz

Der Entdecker des Feenstaubs

Stephan Bartholmei verlässt die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) und damit auch das Gründungskonsortium von Coding da Vinci – sehr zu meinem Bedauern, denn unter anderem geht damit auch der letzte Gründungspartner aus dem Jahr 2013/2014 von Bord. Ursprünglich waren wir zu viert gestartet: Helene Hahn (ehemals Open Knowledge Foundation Deutschland), Barbara Fischer (ex Wikimedia Deutschland, jetzt Deutsche Nationalbibliothek), Stephan Bartholmei und ich selbst (digiS). Darf ich’s sagen – manchmal fühle ich mich alt ;) Aber zurück zu Stephan ...

So habe ich/haben wir Stephan kennengelernt. Wenn Not am Mann war (im wahrsten Sinn des Wortes), trug Stephan die Daten eines Datengebers auch schon mal eigenhändig in Jutebeuteln – und selbstverständlich auf Festplatten gespeichert – zu einem Coding da Vinci Kick-Off, wie 2015 mit dem 9 Terabyte großen Datensatz der Stabi Berlin.

Stephan hat von Anfang an das Potential von Coding da Vinci gesehen. Und dies in Zeiten, in denen eine Entgegnung eines von ihm angesprochenen potentiellen Datengebers für CdV lautete: “Herr Bartholmei, wir sind eine anständige Behörde. Wir arbeiten nicht mit Hackern zusammen.” Er hat erkannt, welche Entwicklungsmöglichkeiten Coding da Vinci für alle Partner*innen öffnete, gerade auch für die DDB, die 2013/2014 frisch gelauncht war, vor allem auch ihre API im Härtetest erproben und sich einer größeren technikbegeisterten Community öffnen wollte. 

Uns als die Gründer*innen verband und verbindet eine gemeinsame Vision, nämlich durch den Kulturhackathon Coding da Vinci die Kultur- und Technikwelt zu vernetzen und den Wert digitaler, offener Kulturdaten öffentlich bekannt zu machen. Wir wollten den Anstoß geben für einen Kulturwandel innerhalb der Institutionen – sich zu öffnen für neue Interessensgruppen, Zugänglichkeit auch digital stärker zu fördern und mit uns und einer begeisterten Community das Potenzial dieser Schätze für Kultur und Gesellschaft durch ihre Nachnutzung zu ergründen.

Ohne die DDB – und insbesondere Stephan Bartholmei – wäre der Hackathon gerade zu Beginn um einige tolle Datengeber*innen ärmer gewesen. Stephan hat viele Institutionen für die Idee der offenen Nachnutzbarkeit von Daten und der Zusammenarbeit mit “Hackern und Haecksen” begeistern können. Es brauchte 2014 auf jeden Fall den Vertrauensbonus der DDB als Netzwerk, um den Vorbehalten gegen Freie Lizenzen entgegenzuwirken, und auch jemanden, der aufgrund seiner herzlichen, verbindlichen und vertrauenswürdigen Art auch als Person für diese Idee einstand. Nicht zuletzt war er es, der in den ersten CdV-Jahren unzählige Dienstreisen von Frankfurt am Main nach Berlin auf sich nahm – zum Teil mitten in der Nacht –, um zu unseren mindestens monatlich stattfindenden Projekttreffen zu kommen. Ganz anders als in heutigen (Corona-)Zeiten kannten wir natürlich Hangouts via Google, zogen aber doch das persönliche Treffen deutlich vor. Auch natürlich, weil wir uns auch als Menschen, so wie wir vier eben waren, gerade in dieser Anfangszeit als Team finden mussten. Dieses auch persönliche Zusammenwachsen und manchmal auch -raufen hat sich allerdings für uns später, in schwierigen CdV-Zeiten, sehr ausgezahlt. 

Stephan prägte das Bonmot zu Metadaten, die er als den “Feenstaub” der Daten bezeichnete. Dementsprechend kamen auch die Ideen zu den ersten Metadaten-Workshops 2014 und 2015 von ihm. Er liebte es, sich insbesondere zusammen mit Barbara Fischer auf den Bühnen der CdV-Welt mit viel Verve, eindrücklich und öffentlichkeitswirksam, für das Gelingen der Hackathon-Events einzusetzen.

2016, als Coding da Vinci zum ersten Mal nicht in Berlin stattfinden sollte, organisierte er am Rande der Konferenz “Zugang gestalten” einen Coding da Vinci-Workshop. Seine guten Kontakte in die Hamburger Kultur- und Kreativ-Szene waren entscheidend für das Zustandekommen der späteren CdV Nord-Gruppe. Mit der erfolgreichen Durchführung des ersten Regionalhackathons in Hamburg 2016 schufen wir dann zusammen als Team den Grundstein für die spätere generelle Regionalisierung als CdV-Konsortium mit Förderung der Kulturstiftung des Bundes. CdV Rhein-Main 2018 war ein weiterer Meilenstein für Stephan – nicht nur weil er als “Lead” aus dem Gründungskonsortium für diesen Regionalhackathon verantwortlich war, sondern natürlich vor allem, weil Stephans lang gehegter Wunsch, Coding da Vinci ins Rhein-Main-Gebiet zu holen, sich erfüllte.

Wir hätten uns damals nicht vorstellen können, dass sich Coding da Vinci über sechs Jahre (wow!) hält und wir es tatsächlich schaffen, immer mehr Kulturinstitutionen und begeisterte Menschen für Offenheit zu inspirieren. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, die geprägt war von viel Begeisterung, Gemeinschaft, Begegnungen und nicht zuletzt auch von persönlichen Umbrüchen – eine Zeit, an deren Ende nun, 2020, auch für Stephan ein beruflicher Wechsel steht. Und so bleibt uns nur, dir, Stephan, von Herzen alles Gute für deine Zukunft ohne CdV zu wünschen. Aber kann es überhaupt ein Leben ohne CdV geben?

Für Stephan nicht, denn direkt nachdem er in seiner Videobotschaft beim aktuellen Hackathon CdV Niedersachsen 2020 seinen Abschied von DDB und CdV angekündigt hatte, raunte er mir und unserer WMDE-Kollegin Lucy Patterson im CdV-Team zu: „Nun habe ich endlich Zeit, als Teilnehmer bei Coding da Vinci dabei zu sein.“ 

Anja Müller, Barbara Fischer, Helene Hahn

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