Welche Chance bietet Open Data für Prozesse der Dekolonisierung von Kulturerbe?

Quelle: ARTS+


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Viele Museen und Archive haben Objekte in ihrem Bestand, die im Rahmen von Kolonisation, Unterdrückung und Gewalt in ihren Besitz gekommen sind. Die Diskussion darüber, wie mit diesen Artefakten umgegangen werden soll, schließt auch die Frage ein, ob die Digitalisierung von Kulturdaten und deren Verfügbarmachung im Internet den Prozess der Dekolonisierung unterstützen. Oder handelt es sich hier um eine weitere Möglichkeit zur Übernahme der Deutungsmacht westlicher Institutionen über das kulturelle Erbe der einst kolonisierten Welt?


Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse veranstaltet Coding da Vinci gemeinsam mit dem Goethe-Institut eine Panel-Diskussion mit Vertreter*innen der internationalen Kulturszene, um über die Frage zu diskutieren, welche Rolle Open Data für Prozesse der Dekolonisierung von Kulturerbe spielen kann. Am Panel nehmen die Künstlerin Nora Al Badri, der brasilianische Kurator Leno Veras de Carvalho sowie Vanessa von Gliszczynski, Sammlungskustodin für Südostasien des Frankfurter Weltkulturen Museums, teil.

Nora Al Badri lebt und arbeitet als Medienkünstlerin mit deutsch-irakischem Hintergrund in Berlin. Sie ist studierte Politikwissenschaftlerin und hat mit ihren künstlerischen Arbeiten international für Aufsehen gesorgt. Der an der Universität Federal do Rio de Janeiro lehrende de Carvalho gilt als ein konstruktiver Vermittler zwischen dem kollektiven Gedächtnis von gesellschaftlichen Gruppen und den neuen Technologien. Vanessa von Gliszczynski vom Weltkulturen Museum ist eine ausgewiesene Expertin für die Kulturen Ostindonesiens und hat selbst eine Ausstellung zum Thema Dekolonisierung mitkuratiert.

Moderiert wird die Diskussion von Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Ethnologe und Vorstandsvorsitzender Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland. Seine regionalen Forschungsschwerpunkte liegen in Westafrika. Thematisch beschäftigt er sich mit materieller Kultur, ethnologischen Museen, Konsum, Migration und Mobilität sowie Globalisierung.


Quelle: ARTS+

Die englischsprachige Diskussion mit dem Titel „Digital Decolonization via Open Data?“ findet am Freitag, den 18.10.2019 um 16 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen von THE ARTS+ auf dem „Runway“ in Halle 4.1 statt.



+++ English version +++

Digital Decolonization via Open Data?


Collections of cultural institutions contain objects from all over the world, often acquired under the oppression and violence of the colonial context. Alongside decolonisation efforts like provenance research, transparency, restitution and repatriation, and institutional policies to diversify and open curatorial practices, how far could/should digitisation and open data play a role?


At the Frankfurt Book Fair, Coding da Vinci and the Goethe-Institut organise a panel with international representatives of the cultural sector in order to discuss whether open cultural data can contribute to decolonization efforts. Participants of the discussion are the artist Nora Al-Badri, the Brazilian curator Leno Veras de Carvalho and Vanessa von Gliszczynski, curator South-East Asia at the Weltkulturenmuseum in Frankfurt.

Nora Al-Badri is a graduated political scientist with a German-Iraqi background. She lives and works as interdisciplinary media artist in Berlin. Her work has caused a sensation around the world. Leno Veras de Carvalho teaches at the federal university of Rio de Janeiro and mediates between collective memories of social communities and innovative technologies. Vanessa von Gliszczynski is a renowned expert for eastern Indonesian cultures and co-curated an exhibition about decolonization at the Weltkulturenmuseum in Frankfurt.

Prof. Dr. Hans Peter Hahn will moderate the debate. The ethnologist is chairman of the African sciences association in Germany. His research focusses on material culture, ethnologic museums, consumption, migration, mobility and globalization in western Africa.

The panel discussion will be held in English on Friday, October 18th at 4 p.m. on the “Runway” of THE ARTS+ in Hall 4.1 at the Frankfurt Book Fair.